Löwenzahn und Zebrastreifen
Inzwischen hat uns die Safari richtig gepackt und wir sehen immer mehr und auch immer größere Tiere, wie hier dieses Rudel weiblicher Impalas. Impalas, wegen einer dunklen Färbung am unteren Ende der Beine auch gerne Schwarzfersenantilopen genannt, sind ausgesprochene Herdentiere. Weibliche Impalas erkennt man übrigens daran, dass sie keine Hörner haben. Da es im Gegensatz zu reinen Männchenrudeln keine reinen Weibchenrudel gibt, suchen wird verzweifelt nach dem Bock, und da ist er dann auch: Ein bisschen abseits leckt er sich seine Flanken. Weibchen bleiben eigentlich immer zusammen und verlassen die Herde nur, wenn sie ein Junges bekommen. Dann suchen sie irgendein Versteck auf und kommen erst wieder zur Herde, wenn das Junge „auf eigenen Beinen stehen kann“. Impalas sind sehr schnell und können bis zu 3 Meter hoch und über 8 Meter weit springen. Im Normalfall aber verstecken sie sich aber lieber oder vertrauen auf den Schutz der Paviane, in deren Nähe sie sich gerne aufhalten.
Giraffen sind die höchsten, im Verhältnis zu ihrer Höhe aber kürzesten Säugetiere. Der Hals der Giraffe ist in etwa so lang wie die Vorderbeine. Der Rücke fällt von den Schultern her stark nach hinten ab. Auf dem langgestreckten Kopf hat die Giraffe zwei mit Fell bewachsene „Hörner“, die etwas kürzer sind als die sehr beweglichen, etwa 15 cm langen Ohren. Gi-raffen gibt es mit unterschiedlicher Fellzeichnung, aber diese hier, erscheint mir mit ihrem „Weinlaubmuster“ schon sehr ungewöhnlich. Es ergibt sic eigentlich fasst schon von selbst, dass Giraffen natürlich keine Grasfresser sind. Wie sollten sie mit dem langen Hals auch mit dem Maul auf den Boden kommen? Da haben sie schon riesige Probleme, wenn sie trinken müssen. Statt Gras frisst die Giraffe Zweige, Knospen und Blätter von Akazien. Besonders beliebt sind die Kronen der Bäume, also die Stellen, wo die Sonne das Blattwerk besonders grün und nahrhaft macht. Beim Fressen benutzen sie ihre Zunge so geschickt wie ein Elefant seinen Rüssel. Gegen die spitzen Dornen sind Lippen und Zunge der Giraffe (ähnlich wie die von Kamelen) unempfindlich. Was auch kaum jemand weiß, wenn Giraffen saftige Nahrung vorfinden, können sie auch lange (ähnlich wie Kamele) ohne Wasser auskommen.
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Im Gegensatz zu Giraffen müssen Kaffernbüffel ständig, sogar mehrmals täglich, trinken. Deshalb fühlen sie sich in der Nähe von Wasser am wohlsten. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass wir unsere ersten Kaffernbüffel, eine Kuh mit ihrem Nachwuchs, unmittelbar am Ufer des Lake Manyara sehen. Die Jungen der Kaffernbüffel kommen meist am Ende der Regenzeit zur Welt. Demnach dürfte das Kälbchen, das tapfer seiner Mutter hinterhertrottet, etwa zwei Monate alt sein. An gleicher Stelle sehen wir auch unser erstes Gnu und unser erstes Zebra.
Kurze Zeit später kommen wir zu einem Tümpel an, der voll ist mit Flusspferden. Zu meiner Verwunderung dürfen wir hier sogar aussteigen. Sieht so aus, als würden die Flusspferde das Bad in der schlammigen Brühe so richtig genießen. Schade, dass man im Internet nichts riechen kann. Könnte man, würden Sie die Hippos wahrscheinlich bedauern. Aber Flusspferde denken wohl anders über Badezusätze als wir. Sie fühlen sich nur wohl, wenn die Badewanne so richtig voll ist mit Hippo-Urin und Hippo-Kot. Um die Exkremente dann auch richtig zu verteilen, wird der winzige Schwanz eingesetzt, wie ein Quirl – einfach rührend.
Was haben wir alles schon gesehen? Dikdiks, Impalas, Giraffen, Büffel, Gnus, Flusspferde – alles Pflanzenfresser. Ich denke, es ist vom Veranstalter geschickt gewählt, dass man nicht gleich Löwen, Geparden und Leoparden zu sehen bekommt. Man würde vielleicht größen-wahnsinnig. Auch Elefanten haben wir noch keine gesehen oder Nashörner oder was weiß ich, was noch alles. So viele Tiere gleich am zweiten Tag zu sehen (eigentlich ist es ja der erste Tag, der Tag gestern war ja nur Anfahrt), das hat schon was. Und jetzt eines der Wildtiere auch noch riechen zu können, das ist schon grandios.
Dann heißt es „einsteigen“ und „weiterfahren“. Immer wieder weist Abbas auf große Bäume hin mit weitausladender, schattenspendender Krone. Diese Bäume sollen etwas Besonderes sein. Aus ihren bis zu 60 cm langen Früchten, die wie Leberwürste von den Zweigen hängen, wird das sogenannte „Kigelia-Extrakt“ gewonnen. Kigelia setzt man ein, um Geschwüre, Psoriasis und Ekzeme zu heilen. Bei Damen auf der Brust verteilt, soll es der Busenstraffung dienen. Aber auch bei schlimmen Krankheiten, wie Lepra, Syphilis und Ruhr werden die Früchte des Leberwurstbaums zur Heilung eingesetzt. Ein wahrer Wunderbaum also, dem wir, angesichts der Tiere, die wir im Lake Manyara Nationalpark fotografieren können, jedoch kaum Beachtung schenken.
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